„Meine Schule – vielleicht könnte man sie die Schule der Wilden nennen“

schrieb Fritz Melbye 1856 aus Venezuela an Camille Pissarro nach Paris. Das Studium der freien, von zivilisatorischen Einflüssen unberührten Natur wurde zu Melbyes künstlerischem Credo. Es trieb den Dänen an die „unklassischen“, exotischen und landschaftlich extremen Schauplätze der Welt, fernab der europäischen Kunstzentren.

Ohne akademische Ausbildung, beeinflusst von der Idee der Bildwürdigkeit der einfachen, alltäglichen Umgebung und von den Freilichtölstudien, wie sie Melbye in Kopenhagen zugänglich waren, näherte er sich der Natur intuitiv in außerordentlich frischen, mit schnellem, breiten Pinsel im Freien gemalten Ölskizzen oder hielt seine Eindrücke in spontanen, dynamischen Zeichnungen mit Bleistift, Feder und Tuschepinsel fest. In ihrer Unmittelbarkeit, Ausschnitthaftigkeit und Natürlichkeit stehen diese Arbeiten im Gegensatz zu Melbyes feingemalten, farbintensiven Gemälden, die eine gefühlvolle Wahrnehmung der Natur spiegeln oder auch idealisierte, naiv anmutende Kompositionen zeigen.

In den Blick der kunsthistorischen Forschung geriet Fritz Melbye vor allem als Begleiter von Camille Pissarro zwischen 1850 und 1854. Sein Einfluss auf die künstlerische Entwicklung von Pissarro, der die französische Avantgarde maßgeblich prägte und die oftmals schwierige Unterscheidung ihres frühen Œuvres sind aktuelle Forschungsthemen.

 

Galerie Fritz Melbye

Bildausschnitte Lebens-Stationen
1) Fritz Melbye, Segler im Morgenlicht, 1848 (Privatsammlung)
2) und 3) Fritz Melbye, La Guayara, Venezuela, 1853 (Privatsammlung)
4) Fritz Melbye, Waldlichtung in Japan, o.Dt. (Privatsammlung)

Bildausschnitt oben
Camille Pissarro, Im Atelier von Fritz Melbye und Camille Pissarro in Caracas, Venezuela, 1854 (Col. Banco Central de Venezuela, Caracas)